Nach „Wien im Barock“ hat ÖJC-Mitglied Barbara Dymtrasz nun ihr neues Buch „Die Ringstraße“ veröffentlicht – und 20 ÖJC-Mitglieder und Gäste am 12.5.2026 auf eine Tour über die Ringstraße und deren markante Gebäude mitgenommen. Exklusiv für den ÖJC gab es Einblicke in die bewegte Geschichte der Wiener Ringstraße.
Der historische Rundgang machte deutlich, welchen Wandel die Straße durchlief, die ursprünglich als militärische Aufmarschstraße gegen Revolutionäre konzipiert wurde. „An beiden Seite der Ringstraße steht eine Kaserne“, erläutert Dmytrasz. „Die Rossauerkaserne und 1901 geschleifte Franz Josefs Kaserne, damit man von dort Truppen rasch über die Ringstraße in die Mitte, zur Hofburg, verlegen konnte.“ Aber auf Grund der sich verändernden politischen Verhältnisse entwickelte sich die Straße zu dem Wiener Prachtboulevard, an dem sich das Kaiserhaus und das vor allem jüdische Großbürgertum durch ihre Schlüsselbauten repräsentierten.
Die Spurensuche begann um 17 Uhr bei dem meist kritisierten Prunkbau, der Staatsoper, dem ersten Gebäude an der neuen Ringstraße. „1857 ließ Kaiser Franz Josef die Basteien abreißen und so Platz für die Ringstraße machen, und schon 1861 wurde mit dem Bau der Oper begonnen“, so Dmytrasz. „Allerdings wurde das ursprünglich geplante Straßenniveau um gu einen Meter gehoben und so wurde aus dem imposant geplanten Treppenaufgang nur eine wenig eindrucksvolle Dreierstiege.“
Dann ging’s zum ebenfalls 1861 von Theophil Hansen errichtete Palais Todesco, „das eigentlich dem jüdischen Großindustriellen und Bankier Hermann Hirschl gehörte, der aber in Italien, wo er Geschäfte machte, nur „der Deutsche“, also „il Tedesco“, genannt wurde. Und so hat sich dieser Name eingebürgert.“
Ebenfalls vom Architekten Theophil Hansen stammt die Akademie der Bildenden Künste auf dem ehemaligen Josefstädter Paradeplatz, heute Schillerplatz, wo gemäß dem Wunsch des Kaisers zahlreiche Figuren die Fassade schmücken. „Die wurden, weil kostengünstiger, von den Wiener Ziegelwerken in Terracotta Serienproduktion hergestellt und in Katalogen angeboten. Auch auf der Börse sind übrigens derartige Figuren zu sehen.“
Vorbei am Palais Schey ging’s weiter zur Albertina und über die Hofburg, „den Torso des Kaiserforums mit dem Flügel der Neuen Burg und den beiden Museen“ zu den beiden wichtigen Monumentalbauten: dem Parlament und dem Zentrum der Wiener Stadtverwaltung der damals wie heute für eine 2 Millionen EinwohnerInnen zählenden Stadt: dem im neugotischen Oppositionsstil errichteten Rathaus.
Der Rundgang endet neben dem Rathaus im Lokal „Vino Wien“, wo die Teilnehmer vom ÖJC auf ein Getränk eingeladen wurden und die Möglichkeit hatten, weiteren Ausführungen von Barbara Dmytrasz zu lauschen. Über die Zeit, als Wien zur Weltstadt aufgestiegen ist. Und man konnte auch gleich das Ringstraßenbuch erwerben und signieren lassen. Bei angeregten Gesprächen ging diese spannende Zeitreise zurück ins späte 19. Jahrhundert zu Ende.
Text und Fotos: Christian Stöger





