„Neustart statt Niedergang“ lautete das Motto des diesjährigen 28. Journalistinnenkongress im Haus der Industrie am 4.11.2026. Als Kooperationspartner ist auch der ÖJC bei diesem Journalismus-Event dabei, denn es geht um Fake News, KI, ebenso wie die Krise der Medien. Allein im Jahr 2025 haben in Österreich fast 300 Redakteur:innen ihren Job verloren. Während klassische Redaktionen schrumpfen, macht Generative KI Content billig, beliebig und grenzenlos verfügbar. Doch wie dagegen halten?
„Die Welt verstehen, wie wir sie machen – und nicht eine KI“, erläutert Tessa Szyszkowitz (Falter) bei der Podiumsdiskussion, an der unter der Leitung von Gaby Konrad (ORF) auch noch Angelika Simma-Wallinger (ORF) und Eugenia Stamboliev (Uni Wien) teilnahmen. „KI sollte Journalist:innen nur helfen, nicht ersetzen. Denn neue Technologien bringen die Wahrheit nicht um, sie bringen die Wahrheit hinaus, wenn wir sie richtig anwenden. Das ist unsere Aufgabe.“ Sukkus der Diskussion: Qualitätsthemen sind wichtiger als man denkt!
Vieles wird allerdings in Frage gestellt, auch in den unterschiedlichen Informationskanälen. Oft ist nur die eigene Bubble glaubwürdig, die tiefgehend recherchierten Artikel werden als Fakes abgetan. Was nicht der eigenen Vorstellung entspricht, wird mit Shitstorms überzogen. Dazu sprach Maria Kronfelder, Professorin am Department of Philosophy der Central European University. Ihr Plädoyer: „Dem Wissen mehr Beachtung schenken!“
In einer weiteren Podiumsdiskussion mit Gundula Geiginger (puls4), die das Format „Breaking Media” leitet, Susanne Lackner (stv. Vorsitzende der KommAustria) und Anna Zeiter (Professorin für Europäisches Datenschutzrecht an der Uni Bern), ging es um den Kampf um Aufmerksamkeit. Wie kann sich seriöser Qualitätsjournalismus gegen die unübersichtliche (Des-)Informationswolke der allgegenwärtigen Social Media durchsetzen? Dazu ist seriöser Journalismus gefragt, Fakten statt Polemik, Erkärungen statt Belehrungen.
Denn wenn Information zur Massenware wird, mutiert Journalismus zum Luxusgut – aber Recherche, Einordnung und die Kontrolle der Mächtigen kosten Zeit, Geld und Urteilskraft. Wobei es an allem immer mehr mangelt. Nötig wäre hier ein echter Restart Journalism. Das bedeutet, die Relevanzfalle zu verlassen, aufhören, nur Kanäle zu befüllen, und anfangen, Wirkung zu erzielen.
Also alles neu oder doch weiter wie bisher? Welche Chancen sind realistisch, welche Abstriche zu erwarten, was wird überbleiben um den Qualitätsjournalismus zu schützen. Darüber diskutierten Daniela Kraus (Presseclub Concordia), Petra Stuiber (der Standard), Evelyn Hemmer (BMWKMS) und Lisa Kreutzer (andererseits), moderiert von Emilija Ilic. Ob es reichen wird, dass die Europäische Union mit dem „European Media Freedom Act” Medienfreiheit und Medienpluralismus schützen möchte war dabei ebenso Thema wie eine neue gesetzliche Regelung zur grundlegenden Reform der Medienförderung in Österreich. Wird damit die journalistische Qualität, Medienvielfalt und Unabhängigkeit gestärkt? Das allerdings bleibt abzuwarten.
Text und Fotos: Christian Stöger





