Das sagt der Dr. Karl Renner Solidaritätspreisträger 2026, ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz beim Talk im ÖJC-Pressesalon am 9.6.2026 über seine Einsätze in Kriegsgebieten. Im Gespräch mit ÖJC-Präsident Christian Stöger ging es natürlich um die aktuelle Situation in der Ukraine und die Gefährlichkeit seiner Einsätze dort für den ORF. Wehrschütz gewährte auch Einblicke in die Anfänge seiner Berufslaufbahn und gab ein wenig von seinem Privatleben preis. Nachzuhören auf dem ÖJC-YouTube-Kanal unter ÖJC LIVE: Talk mit Christian Wehrschütz.
Begonnen hat Christian Wehrschütz in den 1990er Jahren beim ORF-Teletext, bevor er aufgrund seiner Sprachkenntnisse – er spricht Serbokroatisch, Albanisch, Slowenisch, Russisch, Ukrainisch, Englisch und Französisch – das verwaiste ORF-Büro in Belgrad übernahm. „Es gab damals in Belgrad nur 20 ISDN-Leitungen, und man musste Leitungen bei Radio Belgrad am Vortag anmieten. Also musste das sofort geändert werden. Wir haben das Büro übersiedelt und waren so gerüstet für den Albaneraufstand in Südserbien und die kriegerischen Ereignisse in Nordmazedonien.“
Und dann kam 2024 die Ukraine. „Als die Revolution am Maidan ausbrach, war das Büro Moskau, das bis dahin die Ukraine betreut hatte, bei den Olympischen Spielen in Sotschi. Der damalige Chefredakteur hat sich erinnert, dass ich Ukrainisch spreche. Und so bekam ich um 18:00 einen Anruf, wo es hieß: Der Herr Chefredakteur möchte, dass du morgen deine Ukrainisch-Kenntnisse in Kiew einsetzt.“
Seither berichtet Christian Wehrschütz aus den Kriegsgebieten, geriet dabei selbst am Weg zu Dreharbeiten im November 2025 durch eine russische Drone unter Beschuss und hat mit seinem Team nur knapp überlebt. Warum er sich das antut, trotz der Gefahr weiter zu machen? „Ich bin nicht der Typ, der nur im Büro sitzt. Ich habe aber auch keine Todessehnsucht, denn man kann die Einsätze schon bis zu einem gewissen Grad planen und die Gefahr auch durch Ausbildung und Erfahrung minimieren. Es ist aber auch die Befriedigung, diese Geschichte gemacht zu haben.“
In seinem neuesten Buch „Frontlinien“ zieht Christian Wehrschütz Bilanz seiner 25 Jahre als Journalist in Krisen- und Kriegsgebieten. Wobei er sich gar nicht als Kriegsberichterstatter sieht. „Ich bin Korrespondent in Ländern, wo es auch Kriege gibt. Aber ich komme meist vorher hin, leider gibt es dann oft Krieg. Das hat aber nichts mit mir zu tun.“ Für die Ukraine hat er derzeit wenig Hoffnung auf Frieden. „Militärisch haben wir eher eine Patt-Situation, aber wir sind weiter von einer Verhandlungslösung entfernt als noch zum Jahreswechsel.“
Einen möglichen Frieden, wie weit entfernt er auch sein mag, wird Christian Wehrschütz nicht mehr als aktiver ORF-Korrespondent erleben, denn er geht mit Jahresende 2026 in Pension. „Allerdings heißt das nicht, dass ich ganz aufhöre. Ich werde dann andere Kanäle nutzen. Wir haben eine sehr gute Basis auf den Sozialen Netzwerken, ich werde also nicht ganz verschwinden.“ Das wird seine Anhänger freuen. Und er plant auch, noch mindestens ein weiteres Buch zu schreiben. Das dann gegebenenfalls wieder im ÖJC präsentiert werden kann.
Text:Christian Stöger
Fotos: Silvia Stöger
Video: Alexander Grossauer




