Dr. Karl Renner Publizistik-Preis |
Lieber Andi! Ich darf Sie alle, im Namen des Österreichischen Journalisten Clubs, im Namen der Mitglieder unseres Rennerpreis-Kuratoriums und in meinem eigenen Namen sehr herzlich zur heurigen Verleihung des Dr. Karl Renner Publizistikpreises 2000 begrüßen. Heuer ist für unseren Renner-Preis ein besonderes Jahr. Wurde doch unser Namensgeber, der Staatsgründer Karl Renner vor 130 Jahren geboren. Vor 50 Jahren, am 31. Dezember starb er. Und daher haben wir heuer alle bisherigen Rennerpreisträger eingeladen. Einige sind dieser Einladung gefolgt. Ihnen allen ein herzliches Willkommen. Ein besonderes Willkommen meinem langjährigen Kollegen, Andreas Novak. Er wurde von der Jury zu Recht zum heurigen Preisträger des Dr. Karl Renner Publizistik Preises 2000, der höchsten Auszeichnung im österreichischen Journalismus, gewählt. Andreas Novak beschäftigt sich bereits seit Jahrzehnten mit zeitgeschichtlichen Themen. Am 4. April hat der ORF sein Fernsehportrait "Ein ganz normaler Arzt" gesendet. Dabei ging es um das Leben und erschreckende Wirken des langjährigen psychologischen Gerichtsgutachters und ehemaligen Arztes am Spiegelgrund, Dr. Heinrich Gross. Es ist dies ein weiterer Beitrag einer ganzen Serie zeitgeschichtlicher Dokumentationen, mit denen Andreas Novak wichtige Beiträge zum Gewissen der Nation leistete. Andreas Novak, meine Damen und Herren, ist ein Künstler der filmischen Gestaltung von Dokumentationen, wobei er nicht belehrend wirken will. Sein letztes Meisterwerk lieferte er in einem Portrait über Simon Wiesenthal, den ich besonders herzlich in unserer Mitte begrüßen darf. Wir freuen uns schon alle auf Ihre Gedanken und Ihre Rede. Meine Damen und Herren! In wenigen Tagen beginnt in Nizza der nächste EU-Gipfel. Und dort soll es zu einer Verwässerung der Pressefreiheit komme. Der in Nizza zur Diskussion stehende Grundrechtskatalog ist ein Rückschritt zu bisherigen Regelungen der Europäischen Menschenrechtskonvention. In der Menschenrechtskonvention heißt es: ZITAT: "Jedermann hat Anspruch auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht schließt die Freiheit der Meinung und die Freiheit zum Empfang und zur Mitteilung von Nachrichten oder Ideen ohne Eingriffe öffentlicher Behörden und ohne Rücksicht auf Landesgrenzen ein". In der neuen Europaverfassung dagegen findet man im Artikel 11 nur: ZITAT: "Jede Person hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht schließt die Meinungsfreiheit und die Freiheit ein, Informationen und Ideen ohne behördliche Eingriffe und ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen zu empfangen und weiterzuleiten". Und im zweiten Absatz heißt es wörtlich: "Die Freiheit der Medien und ihre Pluralität werden geachtet." Diese Formulierungen "werden geachtet" und das "Recht der Meinungsfreiheit" sind uns zu schwammig und allgemein. Ich möchte Sie Herr Staatssekretär ersuchen, der Bundesregierung unsere Bedenken mitzuteilen und dafür Sorge zu tragen, dass Österreich dieser Verwässerung der Pressefreiheit nicht zustimmt. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Aber noch andere medienpolitische Fragen beschäftigen uns Journalisten. In den vergangenen Wochen und Monaten hat eine Verrohung der Sprache durch Politiker stattgefunden. Beschimpfungen von Journalisten durch manche Funktionäre und Parteipressedienste sind für uns indiskutabel. Versuche von Politikern, Journalisten einzuschüchtern, nehmen immer mehr zu. Ich möchte daher den für das Medienwesen in Österreich zuständigen Bundeskanzler Schüssel und Sie, sehr geehrter Herr Staatssekretär ersuchen, dafür Sorge zu tragen, dass die freie Berichterstattung in Österreich weiterhin möglich ist. Werte Damen und Herren! Das Berufsbild des Journalisten ändert sich in diesen Tagen und Wochen rasant. Der Journalist wird immer mehr zum Fließbandarbeiter im Nachrichtendschungel. Egal, ob er im Bereich der "alten" Medien wie bei Tageszeitungen und Zeitschriften, im Radio oder im Fernsehen arbeitet. Oder "modern" unterwegs ist, im Internet, mit CD-ROMs oder sogar im WAP. Doch wir Journalisten sind auf diese Berufsänderungen in keinster Weise vorbereitet. In Österreich gibt es noch immer keine Form der akademischen Journalistenausbildung. Es gibt auch keine Fachhochschule Journalistik. Wir stecken mitten drinnen in der Kommunikationsgesellschaft. Doch der engste Kreis der Kommunikationsarbeiter, die Journalisten, werden nicht, oder bestenfalls in den Redaktionen ausgebildet. Unsere Gesellschaft überlässt es dem reinen Zufall, wer sich als Journalist durchbeißt, einen "Namen" macht und ein "Star" wird. Es gibt kaum noch ein anderes Land auf der Erde, in dem es keine akademische Journalistenausbildung gibt. Sehr geehrter Herr Staatsekretär! Die Freiheit der Medien verlangt auch eine gründliche Ausbildung der Journalisten. Es ist für mich daher völlig unverständlich, warum es in Österreich, außer im kleinsten Rahmen in Krems, keine universitäre Journalistenausbildung gibt. Wir vom ÖJC regen daher nochmals die Gründung einer Fachhochschule Journalistik an. Und wir begrüßen die Gedanken, Gelder der Bundespresseförderung in die qualifizierte Journalistenausbildung zu stecken. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Und noch ein leidiges Thema möchte ich aufgreifen. Die Zahl echter Anstellungsverhältnisse nimmt in den Redaktionen weiterhin ständig ab. Aus Kostengründen versuchen die Verlage, mit Werkverträgen Sozialversicherungsbeiträge zu sparen. Und das, obwohl es sich dabei trotz anders lautender Vertragsüberschriften meist um freie Dienstverträge handelt. Diese finanzielle Schlechterstellung unserer Kolleginnen und Kollegen können und wollen wir vom ÖJC nicht hinnehmen. Wir fordern den Gesetzgeber dringend auf, die Werkvertragsregelungen außer Kraft zu setzen, da sie zu oft nur zu Lasten der Dienstnehmer gehen. Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben eine kleine Änderung im Programm vorgesehen. Unser Preisträger hat sich die Mühe gemacht aus der ein dreiviertel Stunde dauernden Dokumentation eine kurze Zusammenfassung herzustellen. Keine leichte Arbeit, wie Sie sich vorstellen können. Wir werden den Beitrag vor der Laudatio über die Großprojektion einspielen. Besten Dank an den ORF, der uns die Technik zur Verfügung gestellt hat. Mir bleibt nur mehr übrig, unserem Preisträger nochmals sehr herzlich zu gratulieren. Bei der Nationalbibliothek bedanke ich mich sehr herzlich für die enge Zusammenarbeit und für die Gastfreundschaft.
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